Musik

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CD – ALMA „Transalpin“

Die Melodien von Alma lassen sich nicht bestimmten Punkten auf der Landkarte zuordnen; sie sprengen nationale Grenzen ebenso wie musikalische Kategorien. Mit Transalpin machen die fünf Musikerinnen und Musiker von Alma sich erneut an die Vermessung dieser Landschaft, zücken die musikalische Landkarte, um das Pustertal und das Zillertal zu erforschen und die Seckauer Tauern zu durchqueren. Die Ziehharmonika schnauft, der Kontrabass dröhnt, und die einander überlappenden Windungen der drei Violinen zeichnen Schnörkel in die Luft, die wie Nebelschwaden vom Grund des Tales aufsteigen, um sich in Wolken zu verwandeln.
Wenn die Musik von Alma erklingt, werden wir an einen Ort versetzt, an dem Berge und Schluchten all unsere Mühsal zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen lassen, an dem unsere Vorstellungskraft ihre Flügel ausbreitet und sich endlich in die Lüfte erhebt.

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REZENSION

ALMA „Transalpin“ (col legno, 2015)

Ganz falsch liegt man vermutlich nicht, zählt man ALMA zu den Senkrechtstartern der heimischen Weltmusikszene. Das 2013er-Erstlingswerk „Nativa“ erntete viel Lob. Und das nicht nur hierzulande. Mit dem nun erscheinenden „Transalpin“ (col legno) setzt die Formation rund um JULIA LACHERSTORFER zum nächsten großen Wurf an.

Die österreichische Volksmusik einmal anders erklingen lassen, so in etwa dürfte das übergeordnete musikalische Motto dieser Formation lauten. Alma liefern auf „Transalpin“ einmal mehr den Beweis, dass Volksmusik eben nicht immer nur rein traditionell interpretiert und in ihrem Klang auf eine bestimmte Region begrenzt sein muss. Was Julia Lacherstorfer (Geige, Gesang), Evelyn Mair (Geige, Gesang), Matteo Haitzmann (Geige, Gesang), Marie-Theres Stickler (steirische Harmonika, Gesang) und Marlene Lacherstorfer (Kontrabass, Gesang), die fünf Köpfe hinter der mittlerweile auch international viel beachteten Formation, betreiben, ist, sie hin zu anderen Stilen zu öffnen und einer zeitgenössischen Form zuzuführen. Dies geht aber auf eine sehr behutsame und respektvolle Art vor sich, immerhin liegen die Wurzeln der Beteiligten in der Volksmusik, sie sind mit ihr aufgewachsen, sie war die Musik ihrer Kindheit und Jugend.

Eine musikalische Sprache der vielen Dialekte

Die musikalische Sprache, die die vier Damen und der Herr sprechen, ist eine der vielen Dialekte. Die aus allen Ecken der Welt stammenden Melodien, die abwechslungsreichen und in weite elegische Bögen gefassten Arrangements, die kunstvoll geschlagenen Brücken, der warme Sound der Instrumente, die richtig Gänsehaut erzeugenden ruhigen Passagen, alles wirkt auf eine sehr lyrische und zugleich ansteckend lebendige Weise zusammen. Musikalisch zeichnet das 2011 gegründete Quintett die Linie von der traditionellen Musik des Alpenraumes mit den dazugehörenden Jodlern über den nordischen Folk, die gediegene Kammermusik und vereinzelte Improvisationen bis hin zu Klängen aus dem Orient. Jede Nummer erzählt eine eigene Geschichte, mal in einem leichtfüßig beschwingten Ton, mal einfach nur in einem zurückhaltenden und melancholischen.

Hat es einen letzten schlagenden Beweises für die Qualität dieser Formation bedurft, mit „Transalpin“ hat sie diesen auf jeden Fall in wirklich schöner und eindrucksvoller Manier geliefert. Die Musik von Alma ist von einem ganz eigenen faszinierenden Charakter, sie reißt mit, sie berührt, sie unterhält und fordert zugleich, sie beinhaltet schlicht und einfach alles, was einen wirklich packt.

http://www.musicaustria.at

CD – ALMA „Nativa“

AUS DEM BOOKLETTEXT VON RENÉ FREUND
„Alma sind lässig, ohne nachlässig zu sein. Cool, ohne kühl zu sein. Sie sind gescheit, aber nicht intellektuell, gefühlvoll, aber nicht sentimental, virtuos auf jeden Fall, aber das müssen sie nicht zeigen. Wenn sie es tun, dann mit einem Augenzwinkern. In ihrer Musik vereinen sich Tradition, Improvisation und Innovation zu einem äußerst lebendigen Neuen.“

BESTENLISTE DER „DEUSCHTEN SCHALLPLATTENKRITIK“, 4. QUARTAL 2013
Für die Jury: Mike Kamp
„In der Gruppe Alma verwirklichen vier junge Damen und ein Herr ihre Vorstellungen, wie die österreichische Volksmusik-Tradition an die Jetztzeit und die Menschen, die in ihr leben, anzupassen wäre. Mit Violinen, Bass, Akkordeon und (meist Jodel-)Gesang sowie mit großer Leichtigkeit, Leidenschaft und Fantasie lassen sie aus den Wurzeln vielfältige Triebe und Blüten wachsen: Kreativität ist Trumpf.“
www.schallplattenkritik.de/bestenlisten

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REZENSION

Ländliche Lebenslust
Mit einer beinahe orientalisch anmutenden Arabeske, welche in einen melancholischen Walzer übergeht, hebt dieses ungewöhnliche Album an. Was folgt sind Expeditionen ins Reich der Volksmusiken über die Grenzen Österreichs hinaus und in die Bezirke der Donaumonarchie hinein. Und dies mit großteils untypischen Instrumenten: drei Violinen, ein Kontrabass und ein Akkordeon. Eine Musik jedenfalls die aufhorchen und -tanzen lässt und vielleicht (in den Jazz transformiert) an die Kreativität Rabih Abou-Khalils erinnert, oder, und so abwegig ist der Gedanke nicht, an die Experimente des Kronos-Quartetts.

Die jugendliche und unbekümmerte Spiellust des Ensembles spiegelt sich potenziert in der Lebendigkeit der Aufnahme, dessen technische Qualität mit Dynamik und Nuancenreichtum glänzt. Die Musikerinnen sind durchwegs vom volkstümlichen familiären Umfeld geprägt und klassisch ausgebildet (was man genussvoll zur Kenntnis nimmt).

Das Booklett bietet einen einfühlsamen Essay von René Freund und launige Kommentare der Komponistin und Violinistin Julia Lacherstorfer. Und: Es geht einem wie René Freund – es bringt die Volksmusik ein Stückchen näher!

Auf der Alm(a)
Alma: what does it mean? The soul. It may also make you think of ‚Alm‘, the German word for an alpine pasture or hut. And, of course, of Alma Mahler, and the world of yesterday.

So writes René Freund in his introduction to Nativa, the first album by Alma, a brilliant, original Austrian Volksmusik band. Folk is not my ken, as regular readers well know. Though in writing about Schubert, Brahms, Mahler, and many in between, I have become increasingly familiar with the folk traditions on which my chosen composers drew. Yet they are not traditions that just feed the Classical world, but they continue to thrive, evolve and, ultimately, seize back the music, sometimes with Classical tropes.

Certainly Alma – made up of Julia Lacherstorfer, Evelyn Mair, Matteo Haitzmann, Marie-Theres Stickler and Marlene Lacherstorfer – draw on a variety of sources. Their album, which has recently won the German Record Critics‘ Prize, flaunts an extraordinary range, from snatches of Reger’s Abendlied to Bart Howard’s ‚Fly Me to the Moon‘. Such tracks appear alongside yodels written on napkins in pubs in Upper Austria, Bourbon bourrées and Paris in Spring, all delivered with typical Viennese flair.

Defying my expectations of ‚folk‘, Nativa really is a wonderful album, a psychogeographic trip through the Austrian countryside, its extensive musical traditions and beyond. There is, of course, a sort of ripe crudeness about some of the numbers, bringing the pungency of the meadows to your speakers, yet the playing is always top-notch, with Bachian poise one minute and jam-like abandon the next. This is truly one of the most original soundworlds I’ve encountered of late.

Alma „Nativa“
Ende Mai hat Alma die neue CD im Theater am Spittelberg vorgestellt. Abschießende Anfangsbemerkung: Die CD ist wirklich gut und unbedingt empfehlenswert!Alma ist eine ungewöhnliche Mischung 5 junger Musiker bzw. Musikanten (eigentlich sind 4 davon Innen), daher lassen Sie mich mit „Ihm“ anfangen:Matteo Haitzmann, Violine & GesangJulia Lacherstorfer Violine, Gesang, Moderation Marlene Lacherstorfer, Kontrabass, Gesang Evelyn Mair, Violine, GesangMarie-Theres Stickler, Harmonika, Gesang

Sie alle beherrschen ihr musikalisches Handwerk, stehen in der Tradition und lieben es damit zu spielen. Dass diese Formation zudem außergewöhnlich sympathisch, kreativ und dabei frei von Allüren ist, zeichnet sie besonders aus – man muss sie einfach mögen.
Die CD umfasst 19 Tracks mit einem gut zusammengestellten Mix aus traditionellen Volksxmusikstücken, Jodlern, und eigenen Kompositionen, letztere vorwiegend von Julia Lacherstorfer.

Eine kleine Bemerkung zu Track 11: Der Mond ist aufgegangen (T: Matthias Claudius, M: J. A. Peter Schulz, Satz: Max Reger, Arrangement: J. Lacherstorfer). Hier wirkt auch der „Coro siamo“ mit. In dem umfangreichen und schönen Booklet ist zu lesen: Es wird für kurze Zeit ernst, wenn große Ton und Dichtkunst erklingt. Dieses Claudius- Gedicht ist wirklich schön und sehr kunstvoll in seinen (nicht zufällig) 7 Strophen konstruiert – deren drei letzte Gebet sind. Es ist leider in vielen Liederbüchern üblich das Werk auf 4 Strophen zu kürzen (1,2,3,7). Aber hier werden auch noch Strophen vertauscht (1,3,4,2). Wahrscheinlich weil man nicht mit dem „kranken Nachbarn“ schließen möchte. So bleibt dem Lied aber nur die Romantik – der angekündigte Ernst wird genommen. Und mit großer Dichtkunst sollte man respektvoll umgehen.Ein besonders witziges Stück, eine Komposition von Julia Lacherstorfer, ist Track 17, die „Apfelmusette“ – der Weg eines Apfels zu Apfelmus und von der Musette zum Landler bzw. Schleunigen. Dieser Weg ist für Alma generell nicht weit. Sie stehen, wie erwähnt, mit zumindest einem Fuß, fest in der Österreichischen Volksmusiktradition. Mit dem Rest vollziehen sie musikalisch die berühmte Empfehlung des hl. Augustinus: „Liebe – und dann tu was Du willst!“ Ihnen dabei zuzuhören bereitet großes Vergnügen.HZ